Biographie  Werke  Diskographie

 Fritz Geißler Gesellschaft e. V. 

 

Kontakt:  verein@fritz-geissler.de


Jubiiäum: 100. Geburtstag von Fritz Geißler am 16. 9. 2021

„Haben Sie schon mal was von Fritz Geißler gehört?“ „Fritz Geißler … wer ist das?“ „Na wir meinten eher eine seiner Opern oder Sinfonien…“ „Ach so, nein, also weder noch.“ Vermutlich würde so oder ähnlich die Antwort ausfallen, stellte man heute irgendjemand die Frage nach Fritz Geißler (1921-1984), der als einer der bedeutendsten Tonschöpfer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Mitte Deutschlands gelten darf – und muss.

Fritz Geißler wurde am 16. September 1921 im sächsischen Wurzen geboren, er starb am 11. Januar 1984 in Bad Saarow. Berufung wie berufliches Wirken erfüllten sich für Geißler in einer drei Jahrzehnte währenden Entwicklung als freischaffender Komponist ebenso wie als Dozent und Professor für Komposition an den Musikhochschulen in Leipzig und Dresden.

Nicht weniger als 140 Werke in einer Vielzahl musikalischer Gattungen umfasst sein kompositorischer Nachlass, darunter: ganze elf (!) Sinfonien, vielzählige Instrumentalkonzerte, Kammermusik, Ballette, Kantaten, Oratorien und nicht zu vergessen vier abendfüllende Opern (Der Zerbrochene Krug, Der Schatten, Der verrückte Jourdain und Das Chagrinleder). Renommierte Klangkörper wie die Staatskapelle Dresden oder das Gewandhausorchester Leipzig, bedeutende Dirigenten wie Kurt Masur, Herbert Kegel und Václav Neumann interpretierten seine Sinfonien und vokalsinfonischen Werke; Ost- wie Westdeutschland zählten zu den Aufführungsorten seiner Werke.

Weil Geißler in seinem ästhetischen Autonomiegedanken radikal war, etwa mit seiner 2. Sinfonie (1963) die erste ostdeutsche Sinfonie unter Anverwandlung des Serialismus (der zu dieser Zeit vielumstrittenen Zwölftontechnik der Schönberg-Schule) schuf, war sein in der DDR hochgeschätztes sinfonisches Schaffen durchaus heftig diskutiert. Als Neuerer der Sinfonie als einer Kunstgattung, in der Individuelles und Gesellschaftliches zur ernsten modellhaften Aussprache kommen sollten, verstand er sich. Dabei lieferte er ästhetischen Avantgardismus, fühlte sich stets avanciertem Material und entsprechender Formensprache verpflichtet, genauso jedoch dem Gedanken, „die Kluft zwischen zeitgenössischer Musik und Publikum zu überbrücken“ (1979). Dieser ihm bewusste Spannungsgegensatz machte ihn zu einem Vermittler und zugleich zu einem repräsentativen Komponisten seiner Zeit: „Ich sehe die Möglichkeit einer fruchtbaren Weiterentwicklung der musikalischen Sprache weder in einem epigonenhaften Wiederholen überlieferter Ausdrucks- und Gestaltungsmittel noch in einem schroffen Bruch mit der Tradition, sondern in einer echten Synthese von Überliefertem und Neuem.“ (1979)

Verlieren sich mit dem Ende des sozialistischen deutschen Staats wirkungsgeschichtlich weitgehend die Spuren, bleibt eine Frage unabweisbar: Wie kann ein solch vielgestaltiges, ebenso modernes wie uneingeholt zeitloses, schon im Umfang monumentales – wenn man so will unübersehbares – Oeuvre im heutigen Konzert- und Kulturbetrieb so gut wie unbekannt, ja vergessen sein?

Zusammen mit dem in Halle beheimateten „Musikkulturverein Mitteldeutschland“ bündelt die Fritz Geißler Gesellschaft für das Geißler-Jubiläumsjahr 2021 Kapazitäten und Kräfte für eine gemeinsame Würdigung des großen Komponisten – getreu dem Motto Modernes freisetzen – Vergessenes erschließen! Auch wenn noch nicht alle Details des Programms geklärt sind, steht bereits fest: Neben einer Festschrift mit Rückblicken ehemaliger Weggefährten Geißlers ist eine gemeinsame feierliche Veranstaltung zum Geburtstag geplant. Dann werden moderierte kammermusikalische Darbietungen sowie ausschnitthafte Einspielungen größerer Werke hoffentlich viele, die heute mit Fritz Geißler noch wenig verbinden, zur Neu- und Wiederentdeckung großer, universeller Kompositionskunst einladen.

Details des Programms folgen an dieser Stelle sowie über den Netzauftritt des Musikkulturverein Mitteldeutschland 

.


******


Die Fritz Geißler Gesellschaft, ein eingetragener Verein mit Sitz in Dresden, hat sich zur Aufgabe gestellt, das Erbe von Fritz Geißler zu pflegen. Dies erfolgt durch gezielte Zusammenarbeit mit Interpreten, Wissenschaftlern und Studenten. Die Gesellschaft veranstaltet Konzerte, iniiert und unterstützt wissenschaftliche Arbeiten und berät bei der Materialbeschaffung.

Ganz im Sinne Fritz Geißlers, dem die Unterstützung junger Komponisten immer ein wichtiges Anliegen war, fördert die Gesellschaft junge Komponisten mit Aufführungen.

Zum Impressum.